Neue Musikzeitung
Ausgabe Februar 2016

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Ausstellung eines Lebenswerkes mit Werken von Martin-Aike Almstedt

Dokumentar-Fernsehfilm „Herbstvögel” über das Werk und Leben gedreht

Göttingen. Im November 2015 fand in Friedland/Niedernjesa eine Ausstellung ganz besonderer Art mit Werken von Martin-Aike Almstedt statt. Anlass für diese außergewöhnliche - weit über 200 Exponate umfassende - Ausstellung war die zeitgleiche Aufnahme einiger Filmszenen vor Ort für den Dokumentar-Fernsehfilm „Herbstvögel”, in dem das Werk Almstedts wie auch der Künstler selbst dargestellt werden. In seiner Eingangsrede führte Almstedt aus, dass es in diesem Film thematisch vor allem um die uralte, bereits im alten Indien, in der griechischen und römischen Antike, im Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert und gegenwärtig immer wieder gestellte Frage nach dem wahren Leben geht. Zweifellos ist dieser Film ein ambitionierter Versuch, in dem sich eine große Lebensarbeit anschaulich und überzeugend ausdrücken dürfte.
Ausgelegt waren Partituren für fast alle Gattungen: Solowerke für Klavier, Orgel (eines davon abendfüllend), Gitarre und vielfach vertreten auch für Klarinette. Daneben lagen Noten für Kammermusikwerke, Kammerkantaten, Lieder für Mezzosopran und Klavier, Orchesterwerke, Oratorien, Konzerte für Klarinette und kleines Orchester, ein Klavierkonzert, Oratorien und Chorwerke.
Außerdem waren Bücher von Martin-Aike Almstedt ausgestellt:
3 kompositionstheoretische, die sich mit Almstedts musikalischer Sprache befassen, das 730-seitige Buch „Wort und Werk“, in dem er seine Konzerttätigkeit als Pianist, Organist, Intermedialkünstler und Maler beschreibt, und 15 bewusstseins- philosophische Bücher (eines mit über 1300 Seiten Umfang).
An anderer Stelle waren 37 CDs mit Werken von Almstedt ausgelegt, unter ihnen eine Reihe von Konzertmitschnitten mit Almstedt selbst am Klavier oder der Orgel.

(Ein 2. Bericht folgt als Fortsetzung in der nächsten Ausgabe).
◾ Hartmut Büscher (hb)

Neben zahlreichen Besuchern begrüßte Almstedt auch wichtige Wegbegleiter seines Schaffens: (v.l.) Thomas Körber (Sound-Design Tonstudio), Hartmut Büscher (Musik- und Buchverlag felipen-design), Martin-Aike Almstedt selbst, Steffen Fahl (Klassik-resampled).
Foto: Thomas Körber



Spuren in der Hirnmasse

Über nicht gänzlich erforschten Wege vom Notenblatt über das Hirn zur Hand

Braunschweig. Das Braunschweiger Klavierpodium fand im November in der Klavierfabrik Grotrian-Steinweg statt. Der Neurowissenschaftler Dr. Marc Bangert erläuterte neueste Erkenntnisse zu neuronalen Prozessen bei Musikern und Prof. Joachim Rieke (Klavier- und Fachdidaktik, Osnabrück) bezog diese Erkenntnisse auf die Fachdidaktik und ihre Umsetzung am Instrument.
Es ist sehr spannend zu erfahren, was ein Neurologe einem Musiker Neues über die bis jetzt immer noch nicht gänzlich erforschten Wege vom Notenblatt über das Hirn zur Hand erzählen kann. Das Hirn als Thema wird immer besser erforscht und scheint auch in der seit fast 300 Jahren oft intuitiv richtigen Klavierpädagogik einen großen Reiz auszuüben. Spuren im Gedächtnis entstehen durch das Lernen: viele motorisch-sensorischen Areale werden angesprochen, damit alles funktioniert. Das Gehirn eines Musikers sieht jedoch anders aus als bei Nicht-Musikern, dafür hat man viele Gehirne untersucht. Man kann etwa, um ein Beispiel zu nennen, aufgrund der unterschiedlichen Wege der Hirnströme, die in der Untersuchung farblich markiert werden, sagen, ob ein Pianist oder ein Geiger seine Hand bewegt. Spannend war, dass sich bereits nach 20 Minuten Üben Spuren im Hirn bilden, die nach 3 Wochen als dauerhaft messbar sind. Anhand einer Lernkurve zeigte Dr. Bangert drei Lernphasen von schlecht über gut bis zur Sättigung (dem Punkt, an dem das Besserwerden beim Üben mühseliger wird). Manche Wahrheiten werden bestätigt: schnell gelernt, schnell vergessen. Es gibt viele Übestrategien, wie z.B. die Verteilung der Übepausen, Variabilität der Übung, das blockweise bzw. gemischte Üben, mentales Training, etc. – all das beeinflusst die Spuren, die im Hirn angelegt werden. Gut zu wissen, dass 6 Stunden Schlaf notwendig sind, damit die Verfestigungsarbeit im Hirn stattfinden kann. Alle Bewegungsabläufe müssen dem Hirn mitgeteilt werden, damit das Hirn auch erinnert, ob der Sprung im Takt 122 eine Sexte oder doch eine Quinte war. Wir verfügen alle über ein Fehlermanagement, das sich aus einer Mischung aus Fehlervermeidung, Fehlertoleranz und Fehlerkorrektur zusammensetzt und das im Lernprozess eine große Rolle spielt.
Prof. Rieke sprach über die Perspektiven des musikalischen Lernens im zeitgemäßen Klavierunterricht in der Zeit von Ganztagsschulbetrieb und Mediendominanz. Die Statistiken belegen die Veränderungen im medialen Konsum („pro Woche greifen wir ca.1500 mal zu Smartphone, also alle 7 Min“, so eine Statistik aus dem Jahr 2014) also auch im pädagogischen Alltag, im Bezug auf die Arbeit mit der Hirnmasse. Kurz: die Veränderungen stellen uns vor neue Herausforderungen, denn vieles verändert sich unaufhaltsam, vor allem die Lernsituation und das Lernumfeld. Lange, veranschaulichende Listen mit konträren Begriffen wie Tradition-Trends, Anspruch-Konsequenz, Wissen-Können, etc. werden präsentiert und die musikalischen Lernprozesse, didaktischen Ideen und Übemethoden mit vielen Leitsätzen wie „Übe möglichst täglich: Wachstum braucht Zeit“ sehr ausführlich diskutiert. Neben den Videobeispielen demonstrierte Prof. Rieke mit einer Schülerin wie sein „Musikalischer Topf“ funktioniert: Da kommt alles rein, was der Spieler musikalisch entdeckt. Im praktischen Teil wird am Flügel Schumanns „Knecht Ruprecht“ analysiert und interpretiert. Viel gelernt haben wir an diesem Tag. Dass zum Instrumentalspiel viel Gehirnmasse bewegt werden muss, wussten wir zwar schon vorher. Jetzt wissen wir aber, wie es funktioniert und wissen hoffentlich bald noch mehr!

◾ Claudia Bigos

Professor Joachim Rieke mit Schülern Hanah und Daniel aus Braunschweig. Foto bica



Informationsphasen für Studienbewerber

Hannover. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Studienbewerber an Musikhochschulen ständig gestiegen. Dies mußte sich auf die Aufnahmeprüfungen auswirken. Die instrumentalen Anforderungen erhöhten sich, aber auch das Gehör und das theoretisches Verständnis und Beherrschung der Grundbegriffe der allgemeinen Musiklehre gewannen an Bedeutung />
Der Deutsche Tonkünstler Landesverband Niedersachsen e.V., bietet 2016 deshalb wieder die Möglichkeit an, eine Standortbestimmung vor der Aufnahmeprüfung durchzuführen. In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik und Theater Hannover besteht die Möglichkeit, eine Probeklausur als „Generalprobe” für die Aufnahmeprüfung zu schreiben. Erarbeitet werden so auch Arbeitstechniken, die zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit führen können. Der zeitliche Abstand zwischen den beiden Informationsphasen bietet ganz besonders die Möglichkeit zu einer gezielten Nacharbeitung vor der erneuten Überprüfung. />
Die 1. Phase findet von Freitag, 05.02. ab 17 Uhr, bis Samstag, 06.02. 13 Uhr, statt, die 2. Phase dann von Freitag, 19.02. bis Samstag, 20.02.16. Die 3. Phase als „Chek Up“ ist für Freitag, 12.03.16, von 17 Uhr bis 19 Uhr vorgesehen. Der Veranstaltungsort ist die Hochschule für Musik und Theater Hannover, Emmichplatz 1, Treffpunkt Foyer. Weitere Informationen im Internet und bei der Geschäftsstelle in Hannover.
◾ Gunter Sokolowsky (gs)




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